Die liberale Montags-Kolumne von Ramin Peymani, Autor von “Das Grauen”

Röttgens Abgang – Willst Du nicht geh´n, so brauch ich Gewalt

Nach einer turbulenten Woche, in der die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen nachwirkte, geht der „Klodeckel“ an Norbert Röttgen, Ex-Bundesumweltminister und Ex-Anwärter auf die Kanzlerkandidatur sowie Ex-Spitzenkandidat und Ex-Landesvorsitzender der NRW-CDU. Es konnte einem schon im Wahlkampf Leid tun, wie ein so erfahrener Politiker die Zeichen der Zeit nicht erkannte und sein eigenes politisches Grab von Tag zu Tag tiefer schaufelte. Nicht nur, dass er arg stümperhaft agierte und gegen die ohne politische Themen auskommende Hannelore Kraft immer weiter ins Hintertreffen geriet. Röttgen schaffte es auch noch, sich die Sympathien der Bundeskanzlerin, seiner langjährigen Mentorin, zu verscherzen, indem er die Landtagswahl zur Abstimmung über deren Euro-Kurs hochstilisierte und sie somit für den Fall einer Niederlage mit ins Boot holen wollte. Dass er erkennbar an den Pfründen des Jobs als Bundesminister hing und ziemlich deutlich signalisierte, die schnöde Landtagsarbeit im Falle einer Wahlniederlage dann lieber doch nicht machen zu wollen, gab ihm schon lange vor dem Wahlsonntag den Rest. Die Kette von Fehleinschätzungen und politischer Dummheit erinnerte – wenn auch gänzlich anders gelagert – an Christian Wulff (zur Erinnerung, das ist einer der Ex-Bundespräsidenten). Röttgens politische Karriere ist mit dem humorlosen Abschuss also unehrenhaft zu Ende gegangen. Dass dieses so harsch und plötzlich kam, ist einer weiteren Fehleinschätzung des ehemals großen Hoffnungsträgers der CDU geschuldet. Röttgen, der in den letzten Jahre so eng wie kaum ein anderer mit der Kanzlerin zusammengearbeitet hatte, musste wissen, dass Merkel keine Gefangenen nimmt. Ihn in einen Wahlkampf zu schicken, von dem sie wusste, dass er nicht zu gewinnen war, mutet im Nachhinein wie das Ergebnis einer kühlen Kalkulation an. Es scheint, als habe „Mutti“ die sich bietende Chance ergriffen, den letzten verbliebenen Weggefährten zu entsorgen, der ihr parteiintern die Kanzlerschaft künftig noch hätte streitig machen können. Nahezu alle ehemaligen Hoffnungsträger, alles Männer im Übrigen, hat sie wie eine Gottesanbeterin „verspeist“ – und dies sogar ohne vorheriges Liebesspiel. Gerade ihr Umgang mit Norbert Röttgen steht sinnbildlich für eine Politikerin, die fälschlicherweise für die verständnisvolle Kümmerin gehalten wird. Die CDU hat sie inzwischen fast aller Führungspersönlichkeiten beraubt. Schlimmer noch: Ihre Strategie, aus der CDU eine bessere SPD zu machen, hat viele Stammwähler verprellt, ohne die sozialdemokratische Klientel zu gewinnen. Wenn Merkel 2013 abtreten muss, bleibt von der CDU nicht mehr viel übrig – weder inhaltlich, noch personell.

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