Teletubbies in Berlin: Die ARD trimmt ihre Zuschauer auf Vorschulniveau

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Photo by swoodie

Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist der frühe Sonntagabend für die Politik reserviert. Nicht, dass es an allen anderen Wochentagen anders wäre. Die Politik hat im Grunde immer den ersten Zugriff auf das Programm. Doch am Sonntag zur Abendbrotzeit wird ihr die ganz große Bühne aufgestellt. Dann drängt die ARD mit dem altehrwürdigen „Bericht aus Berlin“ in die Wohnzimmer, dessen Titel daran erinnert, dass hier früher mal Journalistisches geboten wurde, als der Bericht noch aus Bonn kam. Beim ZDF, das einst mit den „Bonner Perspektiven“ aufzuwarten wusste, heißt der zwanzigminütige Werbeblock der Politik längst ganz profan „Berlin direkt“. Die beiden Formate unterscheiden sich nur wenig. Stets geht es darum, links-grüne Parteienvertreter hochleben zu lassen und deren konservative Gegenüber in die Pfanne zu hauen. Das immer gleiche Drehbuch sieht außerdem kurze Einspielfilme vor, in denen dem Zuschauer gesagt wird, was er gut zu finden und welche Politik er zu unterstützen hat. Seit einiger Zeit haben die beiden Magazine das Internet entdeckt. Und so gehört inzwischen auch ein Facebook-Auftritt dazu. Der „Bericht aus Berlin“ hat es bis heute allerdings gerade einmal auf rund 25.000 Abonnenten geschafft – nicht besonders viel für eine Sendung, bei der regelmäßig mehr als eine Million Zuschauer einschalten. Offenbar hat die „Generation Tagesschau“ mit dem Internet  nicht viel am Hut. Sie meidet Facebook & Co. – und erhält sich so ihren Glauben an die öffentlich-rechtlichen Wahrheiten.

Selbstgeschriebene Stichworttäfelchen – weil man den Zuschauer offenbar für zu doof hält, den Beitrag ohne optische Hilfen zu begreifen

Die Nachrichtenkonsumenten der ARD sind offenbar nicht nur besonders leichtgläubig, sondern auch ausgesprochen infantil. Das jedenfalls scheinen die Senderverantwortlichen zu denken. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sich der „Bericht aus Berlin“ für seine Facebook-Seite ein Filmchen ausgedacht hat, in dem die Moderatorin ihren Zuschauern in Teletubby-Manier erzählt, warum man Gefährder nicht abschiebt. Irgendwo zwischen Waldorfschule und Kinderkanal angesiedelt, stimmt sich eine der Welt entrückt wirkende Frau mit albernem Grinsen und angedeutetem Klatschen, das an die Bespaßung von Säuglingen erinnert, auf ihren denkwürdigen Auftritt ein. Sie hat selbstgeschriebene Stichworttäfelchen mitgebracht, weil sie die Zuschauer offenbar für zu doof hält, den einminütigen Beitrag ohne optische Hilfen zu begreifen. Es ist weniger der Inhalt des Vortrags, der den Betrachter fassungslos zurücklässt, als vielmehr seine Form. Was geht in den Köpfen von Journalisten vor, die der Überzeugung sind, ihr Publikum nur noch als Kinderprogramm zu erreichen? Schließt man da vielleicht von sich selbst allzu schnell auf andere? Und was hat es mit der Unsitte auf sich, die wichtigsten Stichworte in Erklärstücken immer auch noch einmal geschrieben mitzuliefern? Ist die Angst, der Unterricht könnte seine Wirkung verfehlen, wirklich so groß? Ganz nebenbei und vom Sender wohl eher nicht beabsichtigt, kommt der Zuschauer aber doch zu einer Erkenntnis. Abschiebungen sind bei uns im Grunde gar nicht vorgesehen – bei Gefährdern sowieso nicht, und bei Straftätern nur ab und zu.

Die Deutschen gestehen ihren Staatsbediensteten eine Unverfrorenheit und Selbstherrlichkeit zu, die sie keinem anderen durchgehen lassen

Doch zurück zum Teletubby-Auftritt. Warum akzeptieren wir ohne mit der Wimper zu zucken, dass eine bestimmte Berufsgruppe uns beharrlich das Gefühl vermitteln will, wir seien Idioten? Nur, weil jemand als Journalist beim Staatsfunk arbeitet, hat er noch lange nicht das Recht, uns Mitbürger wie unmündige Kleinkinder zu behandeln. Würden Sie an der Supermarktkasse so mit sich umspringen lassen? Oder beim Friseur? Oder gar an der Rezeption Ihres Urlaubshotels, wo man Ihnen klarmachte, dass man Sie lediglich für ein zahlendes Dummerle hät? Natürlich nicht. Doch aus irgendeinem unerfindlichen Grund gestehen Deutschlands Bürger ihren Staatsbediensteten eine Unverfrorenheit und Selbstherrlichkeit zu, die sie im Alltag niemandem sonst durchgehen lassen würden. Tun Sie dies nicht länger! Akzeptieren Sie nicht mehr, dass Sie vom Staat und seinen Angestellten unverschämt und herablassend behandelt werden. Wählen Sie die Unverschämtheit konsequent ab, bei jeder Wahl – von der Kommune bis zum Bundestag. Schalten Sie um, wenn der öffentlich-rechtliche Zeigefinger Sie wieder einmal gängeln will. Verschaffen Sie sich in Leserbriefen an die Redaktionen und in Protestschreiben an die Abgeordneten Gehör, wenn sich selbstgerechte Medien-  und Politikvertreter über Sie erheben wollen. Denken Sie immer daran, dass die meisten dieser Sonderlinge Ihnen vermutlich das Wasser nicht reichen können und außerhalb ihrer Staatsblase scheitern würden. Sie wären sonst nicht dort, wo sie sind. Vielleicht macht dieser Gedanke das Ganze ein wenig erträglicher.

 

 

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15 Kommentare

  1. noch besitze ich einen alten röhrenfernseher – zum Sport und Dokumentationen gucken..

    wenn der apparat seinen geist aufgibt, kommt mir kein neues tv-gerät mehr ins haus!

  2. Ich schaue schon seit vielen Jahren kein Fernsehen mehr und lese auch keine Mainstream-Zeitungen. Und Wahlen sind nur ein Theater für den wieder mal für dumm verkauften Bürger, damit er sich einbilden kann, mit seinem ollen Kreuzchen auch mitbestimmen zu dürfen. Und ALLE Parteien machen bei der Theateraufführung mit.

  3. Der Staatsfunnk und der mündige Bürger! Wir sehen den Widerspruch. Grundlage der Demokratie ist der mündige Bürger. Der Bürger ist die unabhängige Variable. Ihm soll der Staat dienen. Wenn jetzt der Staatsfunk mit seiner übergreifenden Macht und dem Geld der Zwangsbeitragzahler auf allen Ebenen dominierend die Meinungshoheit mit ihren monopolistischen Mittteln durchsetzt, dann ist das die Verhöhnung der Demokratie. Das Ergebnis sind keine mündigen Bürger die gestalten, sondern Produkte des Regimefunks, der mit seiner wohlmeinenden Pädagogik genau den neuen Menschen, den Gutmenschen schafft, den das Regime für seinen Machterhalt braucht. Die Bundesrepublik ist entstanden in dem Kampf gegen diese totalitäre Gestaltung. Jetzt arbeitet ein Kartell aus Regierung, Regimeparteien und gesellschaftlichen Gruppen daran unsere Demokratie durch die Manipulation der Medien, der Pädagogik und der staatlichen Versorgungssysteme zu zerstören. Ziel ist der neue Mensch, wie er von kommunistischen Ideologen entworfen wurdee.

    1. Hervorragend kommentiert. Die traurige Entwicklung und die Motivlage der Handelnden scheinen die meisten Menschen aber leider nicht zu erkennen.

  4. Sehr geehrter Herr Peymani!
    Das Auftreten dieser ARD-Tante hat durchaus einen Stil, den man so von namhaften Profis in einschlägigen Fortbildungen vermittelt bekommen kann.
    Gestatten, dass ich verlinke und zitiere (bitte ggf. entfernen, falls nicht gewünscht)
    https://handbuch-manipulation.de/massenmanipulation/
    Siehe unter 5. Strategie
    „Sprich zur Masse, wie zu kleinen Kindern“
    “ … Daraus leitet sich die Regel ab, dass je mehr man einen Empfänger täuschen will, umso kindlicher der Ton zu werden hat. Doch warum? „Wenn man sich an eine Person wendet und mit ihr spricht, als ob sie 12 wäre, wird suggestiv mit höchster Wahrscheinlichkeit jene Person kritiklos reagieren oder antworten, als ob sie tatsächlich 12 Jahre alt wäre.“

  5. Wir sollten stolz sein auf unsere Gewalteinteilung in Judikative, Legislative und Exekutive und diese auch bewahren. Das lernt man eigentlich in jeder Schule (nicht nur in der Waldorfschule). Wer lieber nur in der Blase von versteckten AFD-Wahlwerbungen liest, dem empfehle ich die Türkei, Russland oder Nordkorea.

    1. Sie argumentieren leider am Thema vorbei, aber vermutlich wollten Sie ohnehin nur die AfD-Keule schwingen. Da ist es dann auch völlig egal, was man schreibt und man muss auf nichts wirklich Bezug nehmen. Wie bequem.

      1. Bequem wäre mich nicht dagegen zu wehren das die Mehrheit der Bürger mit zwölfjährigen gleichgestellt wird nur weil sie die deutsche Medienvielfalt nutzen, das ist auch eine Form von Gewaltenteilung. Sollen wir die Gewaltenteilung abschaffen wie es in der Türkei gerade passiert und in Russland und Nordkorea schon passiert ist ? Das der Autor selber sich die Mühe macht und mir antwortet zeigt mir eigentlich das ich auf dem richtigen Weg bin. Den Bericht aus Berlin habe ich gar nicht gesehen, aber Ihren Kommentar kann ich so nicht stehen lassen da er keine Lösungen bietet sondern nur kontraproduktiv ist. Meine Meinung beziehe ich aus anderen Quellen: Fernsehen, Zeitung, Internet. Ihre Artikel, Bücher und Kommentare werden jedoch nicht dazugehören, ich sehe da keine Lösungen für eine bessere Gesellschaft.

        1. Dass ich mir die Mühe mache, Ihnen zu antworten, ist ein Akt der Höflichkeit und des Respekts. Wenn Sie es so deuten wollen, dass Sie „auf dem richtigen Weg“ seien, bleibt Ihnen dies natürlich unbenommen. Sie liegen mit dieser Interpretation jedoch ebenso daneben wie mit der Behauptung, ich würde „die Mehrheit der Bürger mit Zwölfjährigen“ gleichstellen. Es ist im Übrigen nicht Aufgabe des politischen Kommentars – und schon gar nicht Voraussetzung für Kritik – Lösungen anzubieten. Auch hier liegen Sie bedauerlicherweise falsch. Gleichwohl zeige ich Lösungswege auf, die Sie aber offenbar ignorieren wollen, weil sie Ihrer Wahrnehmung nach nicht zu einer „besseren Gesellschaft“ führen, was immer Sie darunter verstehen mögen. Ich antworte Ihnen noch einmal, obwohl Ihr Kommentar erneut wenig mit meinem Artikel zu tun hat, bitte aber um Verständnis, dass ich von weiterer Korrespondenz absehe.

  6. Sehr geehrter Herr Peymani,
    dass Sie sich als Autor hier mit Kritik auseinandersetzen, mag diese Kritik auch wenig geistreich sein und am Thema vorbei gehen, spricht für Sie. Genau zu dieser diese Art der Kommunikation sind die von uns bestens bezahlten Damen und Herren des Staatsfunks nicht mehr in der Lage. Da wird auf Kritik der zur Finanzierung gezwungenen Kundschaft, wenn überhaupt, mit Belehrung und sogar mit Hohn reagiert. Das ist das Prinzip „Meinungsgeber/ Meinungsnehmer“. Es wird gefärbte Meinung als Meldung verkauft. Was dem Konsumenten bleibt, ist zu zahlen, zu schweigen und möglichst zu applaudieren. Kritik wird nicht ernst genommen, der Kritiker wird sogar als Gegner betrachtet und behandelt. Das sind längst totalitäre Denkweisen.
    Denn Staatsfunk von ARD und ZDF hat bekanntlich immer recht. Die Logik kennen wir:
    „Die Partei, die Partei, die hat immer
    recht. Und Genossen, es bleibe dabei.“
    Hoffentlich bleibt es nicht dabei und hoffentlich wird es nicht noch schlimmer. Ihr Beitrag schneidet ein noch viel zu wenig diskutiertes, wichtiges Zukunftsthema an, Herr Peymani: Die Problematik manipulativer Medienmacht. Danke dafür.

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