Angst vorm Blackout: Der Elektromobilität wird zeitweise der Strom abgestellt

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analogicus / pixabay

Europas Politik hat Angst vor dem Winter. Nein, nicht wegen Corona, wenngleich sich die Anzeichen für eine turbulente Gesundheitslage in der bevorstehenden kalten Jahreszeit verdichten. Immerhin rechnen Experten aufgrund der in der vergangenen Saison „ausgefallenen“ Grippe mit einer umso schwereren Influenza-Welle in den kommenden Monaten. Zudem scheint es irgendwie doch so zu sein, dass Menschen durch die impfbedingte Fixierung des Immunsystems auf Sars-CoV-2 anfälliger für andere Erreger sind. Man wird sehen, was an dieser von so manchem Mediziner vertretenen These dran ist. Um Corona soll es aber gar nicht gehen. Europa fürchtet den Blackout. Die Sorge vor Lieferengpässen im Strom- und Gasbereich, eine Vorhersage, die noch vor kurzem ins Reich rechter Verschwörungstheorien verwiesen worden war, wächst. Noch schauen die Verantwortlichen in der Europäischen Union schadenfroh auf Großbritannien, wo massiv angestiegene Gaspreise eine Reihe von Energieanbietern zum Aufgeben gezwungen haben, weil diese die um bis zu 70% in die Höhe geschnellten Einkaufspreise durch eine gesetzliche Gaspreisdeckelung nicht weitergeben können. Der britische Wirtschaftsminister bereitet die Verbraucher schon einmal auf gravierende Probleme vor und gibt unumwunden zu, dass Hunderttausenden Familien ein schwieriger Winter bevorstehe. Auch im Rest Europas zeigen die Energiepreissprünge Folgen: Die Inflation galoppiert. Dabei wirken die selbsternannten „Klimaretter“ wie Brandbeschleuniger. Die explosive Mischung aus drastischen Steuererhöhungen und rapide gestiegenen Preisen wird vor allem jene schmerzlich treffen, die nur ein paar Euro mehr fürs Klima auszugeben glaubten. Es werden ein paar Hundert sein. Mindestens.

Europas Regierungen fürchten, dass ihnen angesichts steigender Zahlen von Elektrofahrzeugen im sprichwörtlichen Sinne der Strom ausgeht

In Großbritannien hat man derweil noch ganz andere Sorgen: Wegen 100.000 fehlender Lkw-Fahrer stockt die Versorgung der Tankstellen ebenso, wie die Belieferung der Lebensmittelgeschäfte. Das Problem ist hausgemacht, weil man mit einer hysterischen Warn-App wochenlang Millionen von Menschen aus dem Arbeitsprozess gerissen hatte, die nur teilweise wieder in ihre angestammten Jobs zurückkehrten. Zudem hat die rigide Praxis der Visa-Vergabe nach dem Brexit eine Vielzahl ausländischer Arbeiter aus dem Land getrieben. Ob die von Premierminister Johnson angekündigte Kehrtwende schnell genug greift, weiß niemand. Als wäre das nicht genug, fürchten nicht nur die Briten, dass ihnen angesichts steigender Zahlen von Elektrofahrzeugen im sprichwörtlichen Sinne der Strom ausgeht. Diese Gefahr scheint die Bundesregierung auch für Deutschland zu sehen. Sie hatte zu Jahresbeginn einen Gesetzentwurf zur „Spitzenglättung“ vorbereitet, traute sich aber nicht, diesen in den Bundestag einzubringen. Mit der wohlklingenden Bezeichnung ist genau das gemeint, was die Briten im kommenden Jahr festzuschreiben gedenken: Wer sein E-Mobil an der heimischen Ladestation „auftanken“ will, schaut zu den Hochlastzeiten in die Röhre. Ab Mai 2022 soll privaten Ladestationen im Vereinigten Königreich von Montag bis Freitag jeweils neun Stunden am Tag der Strom abgestellt werden. Die große Furcht vor dem Zusammenbruch der Stromnetze ist keinesfalls unbegründet, gab es doch erst vor wenigen Monaten einen Beinahe-Blackout auf dem Kontinent. Immer wieder müssen zudem Industrieanlagen vom Netz genommen werden, um Stromengpässe zu vermeiden.

Schon ziemlich bald werden uns drohende Blackouts rund um die Uhr vor die Frage stellen, wofür wir unser Stromkontingent nutzen wollen

Der Ausbau sogenannter erneuerbarer Energien hat die europäische Versorgung anfällig gemacht und die Lebenslüge der Politik aufgedeckt. Würden die selbstgesteckten Ziele der Elektromobilität auch nur annähernd erreicht, stünden schon heute keine ausreichenden Kapazitäten zur Verfügung. Allein Großbritannien benötigt angesichts der beschlossenen Abkehr vom Verbrennungsmotor bis 2050 das zusätzliche Stromäquivalent von sechs Kernkraftwerken. In Deutschland sieht es nicht besser aus. Ganz unabhängig vom Ausgang der Bundestagswahl dürfen wir uns schon einmal auf drastische Maßnahmen einstellen. Woher der Strom künftig in ausreichender Menge kommen soll, steht in den Sternen. Die Netzbetreiber mehrerer EU-Länder warnten schon zu Beginn des Jahres. Nun scheinen immer mehr Regierungen dem Appell zu folgen, und wäre nicht die Bundestagswahl dazwischengekommen, hätte Deutschland hier einmal mehr den unrühmlichen Vorreiter gespielt. Europa geht einer ungewissen Zukunft entgegen. Immer größer wird die Abhängigkeit von Partnern, die nur ein begrenztes Interesse an einem prosperierenden Kontinent haben. Die „Energiewende“ entfaltet ihre volle Wucht, und schon bald werden die Erinnerungen an die Corona-Beschränkungen verblassen, wenn uns drohende Blackouts rund um die Uhr vor die Frage stellen, wofür wir unser Stromkontingent nutzen wollen. Der zu erwartende Druck der Unternehmen auf die Politik könnte manchen Irrweg korrigieren. Entspannung bedeutet dies allerdings nicht. Der Wiederaufbau einer zuverlässigen Energieversorgung wird ein Vielfaches von dem verschlingen, was wir derzeit für die ideologischen Spielereien wohlstandsverwöhnter „Weltverbesserer“ berappen müssen.

 

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14 Kommentare

  1. Vielleicht wird durch einen Blackout der ein oder andere aufwachen . Die Energiewende wird den Bürgern jedenfalls teuer zu stehen kommen. Alles Bewährte wurde und wird abgeschafft . Die Wahlergebnisse zeigen es,das Volk will es so !

    1. Werter Andreas M. Priess,

      ich befürchte, dass hier bei uns im wohlstandsverblödeten Westen mit betreutem Denken und moralischer Selbstüberhöhung, niemand aufwacht. Der Sündenbock ist doch schon längst medial in Vorbereitung – der böse Putin und seine Gazprom sind schuld, so jedenfalls das Narrativ. Dass man auf Druck der EU-Wettbewerbskomissare unbedingt eine „Liberalisierung“ des Gasmarktes erzwungen hat, damit der Putin kein Monopol erhält wird verschwiegen. Denn Putin wollte 240 Euro pro 1000 Kubikmeter. Die Zwischenhändler haben den Preis dann vervierfacht. So funktioniert wohl Markwirtschaft. Schön nachzulesen im Fefe-Blog.

      Dass man katastrophalen Energiewende Fantasmen hinterher gerannt ist und die Grundlastproblematik beiseite geschoben hat – da gab es vor kurzem doch eine Grüne, die die Grundlast als quasi ewig-gestrig abgetan hat in einer Bundestagsdebatte – dass will man jetzt kaschieren. Jetzt wo die Katastrophe sich bereits abzeichnet muss man jemandem die Schuld in die Schuhe. Und was machen Linke und Grüne so gerne – richtig, einen Sündenbock suchen. Für die Linken sind es die bösen Spekulante, für die Transatlantiker Grünen Baerbock die Erpressung durch Russland.

      Wer könnte sich dazu besser eignen als der „Iwan“? Immer wenn etwas nicht funktioniert war es Putin. Egal was. Russische Hacker, Russische Einmischung in Wahlen (bevorzugte Variante in den USA), Russische Erpressung mit Gas (jetzt als Ausrede für die kommende Blackout-Katastrophe), …scheint so langsam wie die Rolle der Juden im 3. Reich einzunehmen.

      Das eigentliche Bonbon ist aber, dass das hach so schädliche Gas und pöhse CO2 jetzt plötzlich keine Rolle spielt, wenn Baerbock die Russen anschuldigt, mehr Gas zu liefern. Schizophrenie in Reinstform. So schamlos muss man erst mal sein.

      Gestern auf Indubio bei achgut: Symptomatisch für RRG in Berlin – „Keine Wahlen organisieren können, aber die Welt Retten wollen“.

  2. Lieber Herr Peymani,

    ein Problem, dass Sie nur angerissen haben, war die vermutlich bestehende Gas-Abhängigkeit von Russland.

    Dazu sollte man wissen, dass gerade die EU unter Führung von Ländern wie Polen die Befüllung der NS2-Pipeline auf nur 50% festgelegt hat.

    https://www.handelsblatt.com/politik/international/urteil-deutschland-unterliegt-am-eugh-im-streit-ueber-russisches-gas/27426142.html?ticket=ST-3426866-pWJs5yeJgGZG7w7pc3G1-ap3

    Wenn man schon Russland als einen Faktor bei unserer Energiesicherheit in den Kontext des „Erpressers“ stellt – ich weiß, Sie haben es nicht so geschrieben, aber es wird allenthalben so aufgefasst und insinuiert – dann sollten Sie dieses Faktum, dass nämlich unsere EU-Freunde in Polen (sicher ganz uneigennützig *Ironie off*) dieses Problem mitverursacht haben.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Gazprom wurde gerichtlich gezwungen, die NS1/NS2 Leitungen nur zu 50% zu befüllen.

    Aber der Russe ist dann wieder der Böse, wenn bei uns die Energiewende an die Wand kracht. Praktisch, nicht wahr?

  3. Der Artikel ist dankenswerter Weise sehr konkret. Viele politische Entscheidungen
    bleiben im Abstrakten und zeigen die konkreten Folgen nicht auf. Ein Beispiel ist die Energiewende, bei der noch nicht klar ist, wie der Strom vom Norden nach Süden transportiert werden soll und wie sich die teuren unterirdischen Leitungen auf den Strompreis auswirken. Selbst wenn man viele Windkraftanlagen bis an die Nähe der Siedlungen baut – das Problem des Infraschalls wird nicht einmal genannt – und die Wälder rodet: Wenn der Wind nicht weht, gibt es keinen Strom. Fehlt der Strom, bricht das Stromnetz zusammen, dessen Wiederaufbau dauern kann. Diese denkbaren kümmert unsere streikende Jugend nicht. Es wird an der Zeit, dass sie die Folgen kennen lernt, dass einmal der Strom für längere Zeit ausfällt, es kein Licht und kein warmes Wasser gibt auf es den Straßen durch ausgefallene Ampeln ein Verkehrschaos entsteht. Der Mensch lernt nur durch konkrete Erfahrung, wie bereits die biblische Parabel vom Turmbau zu Babel lehrt.

    1. Sehr geehrter Herr Precht,

      vielen Dank für Ihren Hinweis. Das Problem konnte glücklicherweise sehr schnell noch am gestrigen Morgen behoben werden.

      Freundliche Grüße,
      Ramin Peymani

  4. Vor 10 Jahren, am 27. April 2011, veröffentlichte der Bundestag einen Bericht über „Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften – am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung“. Dort wird auf gut 130 Seiten etwas beschrieben, was einer realen Apokalypse sehr nahekommt. Es dürfte keine Frage sein, ob es zu einem solchen Blackout kommen wird, sondern nur wann?! Kaum ein MdB und erst recht kaum ein Journalist dürfte diesen Bericht aufmerksam gelesen und studiert haben (sonst hätten sich sich völlig anderes verhalten). Sie sollten es schnellstens nachholen, denn die Konsequenzen eines solchen Super-GAUs der Stromversorgung sprengen in ihrer Dramatik für die Bevölkerung jede Vorstellung. Ein Tsunami ist Vergleich dazu nur eine sehr kleine, kräuselnde Wasserwelle, wenn die Fläche des Stromausfalls ganz Deutschland ist, denn dann dauert der Wiederaufbau der Stromversorgung über eine Woche und länger. Jeder Politiker, der für das Abschalten eines Kernkraftwerks verantwortlich ist, kann zum Täter, und jeder, der das Abschalten unterstützt, kann zum Mittäter eines möglichen Verbrechens an der Bevölkerung werden. Denn seit der Veröffentlichung dieses Berichts 2011 kann sich niemand damit herausreden, das sei alles nicht vorhersehbar gewesen. Die Wahrscheinlichkeit eines Super-Blackouts dürfte unendlich viel höher sein, als dass der Planet durch C02 vernichtet wird. Noch ist Zeit zur Umkehr, doch das Zeitfenster wird immer kleiner.

    1. Diese abgehobene und arrogante wohlbestallte Kaste glaubt, auf ihren Landgütern oder in ihren energieautarken Häusern mit Vorratskeller im Speckgürtel ungeschoren davonzukommen, wenn gegen Kälte und Dunkelheit in den Innenstädten die ausgeplünderten Supermärkte brennen, Menschen in ihren Wohnungen überfallen und ausgeraubt werden und die Wahl haben zwischen ermordet werden oder erfrieren. Deshalb tun die nichts dagegen, denn ob andere sterben wie die Fliegen ist denen egal; ganz im Gegenteil, betrachten sie eine menschenärmere Welt als Gewinn.

  5. Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat gezeigt, was Elektromobilität bedeuten würde. Ohne Diesel wäre da noch nicht eine einzige Tonne Schlamm, Müll etc. entsorgt worden! Einen Tesla oder Zoe habe ich dort bis heute noch nicht gesehen. Dank meines Diesels kann ich regelmäßig vor Ort helfen und auch Hildsgüter zu den Lagern fahren.

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