"Sitzenbleiben? Nein danke!": Schule als Beschäftigungstherapie

Aua, das tut weh! Der nunmehr besiegelte Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung in Niedersachsen grenzt an Körperverletzung. Dafür gibt’s heute den „Klodeckel des Tages“. Großen Raum nimmt dabei das ausdrückliche Vorhaben ein, über den Bundesrat eine Fülle von Steuererhöhungen durchzusetzen, die dann nicht mehr nur die Menschen zwischen Heide und Harz, sondern – im Falle des Gelingens – ganz Deutschland betreffen würden. So sieht gelebte Ideologie aus! Besonders schmerzhaft aber ist die Vorstellung, dass „rot-grün“ den abenteuerlichen Plan in die Tat umsetzen könnte, das „Sitzenbleiben“ in Niedersachsens Schulen abzuschaffen. Und hier brauchen die Gleichmacher aus Hannover keine Verbündeten, denn Kultusangelegenheiten sind Ländersache. So muss künftig dann also kein Schüler mehr befürchten, dass ihn die Schule allzu sehr in seinen Freizeitaktivitäten einengt, ist es doch gleichgültig, wie gut die Teilnahme am Unterricht ist oder gar Prüfungen gemeistert werden. Das „wahre Leben“ kommt früh genug – und die Betriebe dürfen mehr denn je ausbaden, dass vielen Schulabgängern nicht mehr nur jedes Verständnis für die Grundrechenarten oder die Grundzüge der Orthografie fehlt, sondern darüber hinaus auch Wille und Fähigkeit zu leistungsorientiertem Arbeiten. Besonders hart dürfte es Abiturienten treffen, die – wie es heute schon gute Sitte ist – mit einem dicken Malus in die NC-Schlacht um die Studienplätze ziehen. Aber mit Gymnasien hat es „rot-grün“ ja ohnehin nicht so, der elitäre Quatsch wird in Niedersachsen womöglich als Nächstes auf den Prüfstand kommen. Denkt man das Ganze konsequent zu Ende, fragt man sich, warum „rot-grün“ die Noten nicht auch noch abschafft. Oder die Lehrer. Oder am besten auf Schulen gleich ganz verzichtet. Sinnvoll wäre sicher auch, über die Abschaffung von Verkehrsregeln nachzudenken, die häufig genug doch eher hinderlich sind und dem, der von rechts kommt, einen unlauteren Vorteil verschaffen. Es ist wirklich unfassbar, dass im ehemaligen Land der Dichter und Denker das über Jahrzehnte durch sozial-alternative Attentate abgesenkte Bildungsniveau nun zu Grabe getragen werden soll. Nach eigenem Bekunden möchte „rot-grün“ mit dem Vorstoß der Stigmatisierung von „Sitzenbleibern“ entgegentreten. Man sorgt sich um das Seelenheil der Heranwachsenden, wenngleich Generationen von Schulabgängern den empirischen Gegenbeweis geliefert haben. Glaubhafter ist da schon das Eingeständnis, dass das Wiederholen einer Schulklasse zu teuer sei. Vielleicht steckt aber auch noch etwas ganz anderes dahinter: Immerhin haben sich die Elitenjäger im Koalitionsvertrag auch der Absenkung des Wahlalters bei Landtagswahlen auf 16 Jahre verschrieben. Und wenn man weiß, dass Ideologien bei ungebildeten jungen Menschen auf besonders fruchtbaren Boden fallen, könnte man auf Ideen kommen…

Lesen Sie hierzu auch: „Sitzenbleiben ist Lebenszeit-Verschwendung“ (RP ONLINE, 17.02.2013)

3 Kommentare

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    Nein danke!”: Schule als Beschäftigungstherapie « Klodeckel des Tages”?

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  2. Die Absenkung des Wahlalters ist die nächste degenerative Erscheinung unseres Systems. Das will Rot-Grün ja sehr wahrscheinlich, weil sie wissen, dass v.a. die Grünen bei Jugendlichen besonders beliebt sind. Würden die alle NPD wählen wollen, wäre der nächste Schritt bestimmt die Heraufsetzung des Wahlalters. Meines Erachtens haben die meisten Menschen unter 18 einfach noch nicht die Reife, die man brauchen sollte, um Parteiprogramme zu vergleichen und eine langfristig tragbare Wahlentscheidung zu treffen. Aber halt: So funktioniert das ja gar nicht; wir sollen uns von ein paar Gesichtern, die man uns in den Wochen vor der Wahl unentwegs vorhält, beeindrucken lassen und die wählen. Gut, das kann auch ein Säugling. Also: Wahlalter auf 0 senken!

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