Heute bekommt Bundestagspräsident Norbert Lammert den Klodeckel für sein offensichtlich mangelhaftes Demokratieverständnis. Da äußert der frisch gewählte Bundespräsident mal was Brauchbares, nämlich das deutsche Staatsoberhaupt künftig direkt vom Volk wählen zu lassen, schon zürnt der zweite Mann im Staat, dies hätte „eine nachhaltige Verschiebung in den politischen Gewichten“ zur Folge. Es sei unfair dem Amt des Bundeskanzlers gegenüber, der ja von der jeweils siegreichen Partei bestimmt und vom Bundestag gewählt wird, wenn der Bundespräsident direkt von den Bürgern bestimmt werden könne. Was für eine saublöde Begründung! Unions-Fraktionschef Kauder, CDU-Generalsekretär Pofalla und auch CSU-Chef Seehofer beeilten sich, ins gleiche Horn zu stoßen: Nur der Bundestag werde direkt gewählt (was übrigens auch nur vordergründig stimmt), alle anderen Verfassungsorgane nicht. Mit anderen Worten: Ein bisschen Demokratie ist in Ordnung, zuviel davon schadet. Treffender und entlarvender kann man es im Jahr des 60. Geburtstages unseres Landes wohl kaum auf den Punkt bringen. Wie lösen wir uns endlich aus dem Würgegriff des Parteienstaates?

3 Kommentare

  1. demokratie war nie mehr als eine simulation, ein trugbild! abgesehen davon, dass der mensch dafür gar nicht geeignet ist.

    ob im privaten kreis oder in der gruppe: die wenigsten können mit der ihnen gegebenen freiheit verantwortungsvoll umgehen; die meisten menschen sehnen sich nach klarer führung und sind dafür bereit, persönliche einschränkungen in kauf zu nehmen.

    die ehrlichste staatsform und – siehe aktuelle ostalgie – für die masse offenbar akzeptabel – ist demnach eine diktatur. jedenfalls ist diese allemal berechenbarer als die simulierten demokratien westlicher kulturkreise!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: