Wahrheit tut weh: Wer Afrika helfen will, muss aufhören überall Rassismus zu wittern

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Es war ein einzelner Satz, der die rund um die Uhr lauernden Wachposten alamierte. Ausgesprochen hatte ihn gedankenlos einer, der bisher als Erfolgsunternehmer und Leitfigur eines der beliebtesten Traditionsvereine des deutschen Fußballs eher von Wohlwollen begleitet war. Einer von hier, einer von uns, einer mit geradem Rücken. So kennen Millionen Schalker Fans ihren Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies, der sich in der Nordkurve mit einem Becher Bier in der Hand genauso wohl fühlt wie im VIP-Raum bei Lachs und Kaviar. Seit fast zwei Jahrzehnten bestimmt der 63-Jährige maßgeblich die Geschicke des Revierclubs der Kumpel und Malocher. Bekannt ist Tönnies aber auch, weil er ein europaweit erfolgreiches Familienunternehmen mit Milliardenumsätzen und über 16.000 Mitarbeitern führt. In dieser Funktion war er am 1. August beim „Tag des Handwerks“ in Paderborn aufgetreten, einer Großveranstaltung mit mehr als 1.500 geladenen Gästen. Dort fiel der verhängnisvolle Satz, den sich die meisten von uns verkniffen hätten, wissend, dass sich eine ganze Industrie darauf stürzen wird, die so gar nichts mit ehrlichem Handwerk zu tun hat, dafür aber umso mehr mit unproduktiver Nabelschau und moralischer Selbstbefriedigung. „Dann würden Afrikaner aufhören Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren“, formulierte Tönnies reichlich flapsig, um zu begründen, warum es sinnvoller sei, Kraftwerke in Afrika zu bauen als über eine deutsche CO2-Steuer zu diskutieren. Der Vorschlag ist vernünftig: Nichts könnte dem afrikanischen Kontinent mehr helfen als Investitionen in die Infrastruktur. Und nichts ist so wirkungslos für das Weltklima wie eine zusätzliche Steuer in Deutschland.

Wir müssen die Umwelt in jenen Teilen der Welt retten, in denen man weder Wissen noch Werkzeuge im Kampf gegen die Umweltverschmutzung besitzt

Clemens Tönnies hat recht, wenn er eine ehrliche, offene Debatte darüber fordert, was der Umwelt nutzt. Nicht das Klima müssen wir retten, schon gar nicht in Deutschland, sondern die Umwelt, vor allem in jenen Teilen der Welt, in denen die Menschen weder Wissen noch Werkzeuge besitzen, um ihre Umweltverschmutzung zu reduzieren. Hierzulande hat es die Klimaindustrie in wenigen Jahren geschafft, die Diskussion in eine lukrative Richtung zu treiben. Wo bereits maximale Anstrengungen für saubere Flüsse und Seen unternommen worden sind, wo die Luft so rein ist wie nie zuvor, wo Recycling und Abfallbewirtschaftung perfektioniert worden sind, ist mit dem Thema Umweltschutz kaum noch etwas zu holen. Schon gar nicht für die Partei, die mal für eine saubere Umwelt angetreten war. In diesem optimierten System bedarf es der Schimäre „Klimaschutz“, um neue Umsatzbringer zu etablieren. Dass das Geld dabei vorwiegend vom Staat kommt, weil es zumeist gar keinen Markt für die Produkte der Klimaindustrie gibt, stört die Abkassierer nicht, so sehr sie sich ansonsten als Hüter des Guten aufspielen, denen Moral über alles geht. Der „Klimaschutz“ ist in den Stand einer Religion erhoben worden, die in Deutschland inzwischen mehr Anhänger hat als die beiden großen Kirchen zusammen. Ein genialer Schachzug, entzieht sich eine Religion doch jeder objektiven Betrachtung. Wer sich gegen sie stellt, ist automatisch im Unrecht. Es gilt die Religionsfreiheit. Eigentlich gilt nach wie vor auch die Meinungsfreiheit. Eigentlich. Denn erwünscht ist diese nur noch dort, wo politisch opportunen Botschaften zur Verbreitung verholfen wird.

Bevölkerungswachstum und Wohlstand sind eng miteinander verknüpft – es ist nicht rassistisch, auf massive Probleme afrikanischer Länder hinzuweisen

Clemens Tönnies hat einen dummen Satz gesagt. Dumm deshalb, weil er in seiner Formulierung den darauf wartenden Hohepriestern einen Ansatz dafür geliefert hat, einen grundrichtigen Gedanken im Keim zu ersticken. Klüger wäre wohl gewesen: „Dann würden die Afrikaner ihre Anstrengungen beim Umweltschutz erhöhen und sich ihre Geburtenraten auf ein wohlstandsförderndes Maß einpendeln.“ Auch ein solcher, an sich unangreifbarer Satz hätte die politisch Korrekten auf den Plan gerufen. Doch er hätte weit weniger zum redaktionsübergreifenden Rassismusvorwurf mit tagelangen Schlagzeilen getaugt. Um die Inhalte dessen, was der Schalker Aufsichtsratschef gesagt hat, ging es indessen nie. Wer es ernst meint mit dem Klima- (oder besser: Umweltschutz), hätte den Impuls aufgegriffen, den Tönnies gegeben hat. Bevölkerungswachstum und Ökologie sind eng miteinander verknüpft. Darauf hinzuweisen, dass die meisten afrikanischen Länder hier ein massives Problem haben, ist keinesfalls rassistisch. Wenn Deutschlands Klimahüpfer mehr wären als manipulierbare Marionetten, gingen sie statt für den Rückfall in vorindustrielle Zeiten für eine weltweit koordinierte Entwicklungshilfe auf die Straße, die vor Ort Stabilität schafft und Menschen eine Perspektive bietet. Es gibt Länder in Afrika, die diesen Prozess erfolgreich bewältigt haben, etwa Botswana und Ruanda. Doch uns läuft die Zeit davon. Alle, die Clemens Tönnies an den Pranger stellen, sollten sich fragen, warum sie die kostbare Zeit mit Rassismusspielchen verschwenden, statt Lösungen voranzutreiben. Wahrheit tut weh. Doch wer sie bekämpft, schadet Mensch und Natur. Und vielleicht irgendwann sogar dem Klima.

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7 Kommentare

  1. Und nichts ist so schwachsinnig wie das Klima „retten“ zu wollen.
    Interessant, dass sich darüber niemand aufregt, obwohl uns dieses Thema vermutlich zuerst wirtschaftlich und dann physisch komplett vernichten wird, was wiederum zeigt, dass fast niemand die Dimension des größten Betrugs aller Zeiten verstanden hat.

  2. Sehr geehrter Herr Peymani,
    KLASSE Ihr Artikel, 1000 Dank.
    Ich habe den Eindruck, dass Presse/Politik/Gesellschaft so geradezu hysterisch sind, weil es an allen Ecken brennt. Das letzte Kraftaufgebot vor dem Knall?
    Wir haben uns in vieler Hinsicht zu viel auf einmal aufgebürdet. Auch ‚Santa Greta‘ wird uns leider nicht retten können. Zugegeben, das ist recht pessimistisch, doch in der Geschichte war es oft so.
    Es hat viele Gründe für unsere Nervosität und die handfesten Probleme, die es ja gibt. Aber übereilt, ohne gute Strategie und zu sehr ideologisch geprägt, zerstören wir nur die Gesellschaft, die Wirtschaft und den Frieden.

    Ihnen alles Gute und nochmals danke, für Ihre vielen klugen und mutigen Artikel.

    1. Sehr geehrte Frau Goetz,

      herzlichen Dank für Ihre freundlichen Worte. Ich versuche wachzurütteln, um das Schlimmste zu verhindern.

      Beste Grüße,
      Ramin Peymani

  3. Sehr geehrter Herr Peymani, diese richtigen und wichtigen Dinge sind doch schon lange vorher sogar von ausgewiesenen „Gutmenschen“ (die allerdings noch selber denken konnten und nicht reflexartig Parolen aufs „falsche“ Stichwort von sich gaben) geäußert und (damals) sogar gesendet worden. Lesen Sie: http://www.deutschlandradiokultur.de/neudeck-korrupte-eliten-stecken-entwicklungshilfe-in-eigene.945.de.html?dram:article_id=132521 Rupert Neudeck als Begründer von „Cap Anamur“, der seinerzeit ECHTE Bootsflüchtlinge aus dem Meer rettete, die keine andere Chance hatten, als dem in Vietnam errichteten kommunistischen Regime zu entkommen (also solche, die auch nach §16a GG Anspruch auf Asyl hatten, nämlich „politisch verfolgt“), bringt hier alle wesentlichen Probleme Afrikas auf den PUNKT, und er geht dabei sogar noch einen Schritt weiter, indem er die Art und Weise der seit langem praktizierten sogenannten Entwicklungshilfe prinzipiell in Frage stellt und statt dessen die meines Erachtens EINZIGE erfolgversprechende Alternative dazu zur Sprache bringt. Und wenn wir seit mehr als 10 Jahren seitdem nicht nur keinen Schritt weiter sind, sondern die Zustände eher schlimmer geworden sind (meistenteils), sagt das doch alles über die Unfähigkeit deutscher Politik auf der internationalen Bühne aus. Bei der „Qualität“ unserer Außenminister und des sonstigen „regierenden“ Personals auf der Berliner Politbühne muss das freilich keinen wirklich verwundern…

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