Unabhängiger Journalismus: Frau Kömpel ist "erschrocken"

Eine Email an den falschen Empfänger ist immer unangenehm. Je nach Inhalt kann ein solcher Irrläufer zum echten Ärgernis werden. Besonders heikel wird die Sache, wenn man eigentlich mit einem Dritten über jemanden herziehen wollte und ausgerechnet dem Gescholtenen die Nachricht zuschickt, weil man in der Eile versehentlich statt der Weiterleitung die Antwort-Option erwischt hat. Das musste in der abgelaufenen Woche auch die Bundestagsabgeordnete Birgit Kömpel erfahren, die die Kolumne der Fuldaer Zeitung zur Werbung in eigener Sache missbrauchen wollte. Die SPD-Politikerin hatte der Redaktion eine Lobhudelei auf ihre Partei zukommen lassen, blitzte mit dem Ansinnen einer Veröffentlichung allerdings ab, weil die regelmäßige Kolumne ausschließlich dem Zweck dient, heimische Abgeordnete zu aktuellen Themen „jenseits von Parteipolitik“ zu Wort kommen zu lassen. Damit soll der Dialog mit den Bürgern gestärkt, aber eben gerade keine Plattform für Parteiwerbung geschaffen werden. Ganz offensichtlich missfiel der SPD-Frau jedoch das Veto der Lokaljournalisten, was sie dazu veranlasste, mit ihrem Mitarbeiter darüber zu sinnieren, wie man der Redaktion wohl beikäme.

Und da die Email nun einmal nicht an den gedachten Adressaten ging, sondern direkt an die Redaktion, erfuhr diese aus erster Hand, wie sich eine Bundestagsabgeordnete befriedigende Pressearbeit vorstellt: „Das ist schon frech, was die sich so leisten. Wir müssen mal wirklich eine Strategie ausarbeiten, wie wir denen einen Strich durch die Rechnung machen können“, war da zu lesen. Eine entsprechende Kampagne mit einem Internetorgan könne es vielleicht richten, deutete Kömpel im Nachsatz an. Es ist nicht etwa der Ärger über die misslungene SPD-Promotion, die Frau Kömpel den „Klodeckel des Tages“ einbringt, sondern der offenbar tiefsitzende Glaube, die Presse müsse das Sprachrohr des Parteienapparates sein. Sinnbildlich für das Gebaren vieler Mandatsträger steht hier eine Abgeordnete, die es als persönlichen Affront betrachtet, wenn Journalisten sich ihr einmal nicht willfährig vor die Füße werfen. Schuld an diesem irrwitzigen Weltbild ist jedoch der Journalismus selbst, der Politik so gerne als Entertainment verkauft und den Protagonisten speichelleckend Bühnen aufstellt, die ihrer mittelmäßigen Bedeutung nicht annähernd gerecht werden.

Dass hier eine Politikerin ernsthaft darüber nachdenkt, wie sie eine unabhängige Tageszeitung beschädigen kann, weil diese die ihr zugedachte Rolle der politischen Hure nicht spielen will, sagt alles über eine Kaste, die längst mal kräftig durchgeschüttelt und wieder vom Kopf auf die Füße gestellt gehört. Immer häufiger erinnern unsere Mandatsträger an DSDS-Kandidaten, die trotz limitierter Fähigkeiten und nichtssagender Vita glauben, mit ein paar falschen Tönen zu Stars aufsteigen zu können. Statt für den Bürgerwillen und das Gemeinwohl scheinen sich die Politikemporkömmlinge vor allem für die maximale Eigenvermarktung und das Besetzen wichtigtuerischer Pöstchen zu interessieren. Finden sich unter den 631 Volksvertretern im Bundestag und deren 1860 Kollegen in den Landtagen doch einmal ein paar Rechtschaffene, rollt die Parteiräson wie ein Panzer über sie hinweg, um sie systemkonform zu machen. Frau Kömpel sollte einen Wechsel ins EU-Parlament erwägen. Dort wird sie von Lakaien im Frack bedient, die ihr den Kaffee mit weißen Handschuhen auf dem Silbertablett am Platz servieren. Sicher kommt dies ihrem Selbstverständnis als Abgeordnete näher als die Standhaftigkeit einiger ehrbarer Journalisten.

3 Kommentare

  1. Hat dies auf rundertischdgf rebloggt und kommentierte:
    Es ist schon interessant, was eine SPD Bundestagsabgeordnete von Meinungsfreiheit hält. So sind diese „Demokraten“. Dieser Beitrag ist eine harte Abrechnung mit der Realität im Spielbetrieb der Politik. Solche Anmaßung und Peinlichkeiten kommen nur dann ans Tageslicht, wenn diese „Götter“ sich als unantastbar vorkommen, dann werden unvorsichtig. Die Auszeichnung, Klodeckel des Tages, hat diese Bundestagsabgeordnete „redlich“ verdient. Ein Bürger hat dazu schon bei http://www.abgeordnetenwatch.de nachgefasst. Mal sehen wie die sich herauswindet. http://www.abgeordnetenwatch.de/birgit_koempel-778-78261–f419786.html#q419786

  2. Hallo, ich kenne Fr. Kömpel MdB SPD nicht und das war und ist auch nur gut so, daß ich solchen Politdreck nicht kenne.

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